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Von der Danziger Bucht in die Masuren

Unterwegs in Polen…

Etwa zwei Wochen sind wir bereits in Polen unterwegs und unsere Erwartungen haben sich schon mehr als erfüllt. Polen wird als Reiseziel unserer Meinung nach total unterschätzt und die gängigen Vorurteile sind eben was sie sind: Vorurteile! Wer vermutet hier schon kilometerweite Strände mit pulverig weißem Sand, gewaltige Dünen, Buchten mit Seehunden oder ein Paradies für Kite-Surfer? Es gibt herrliche Landschaften, Naturparks, gut beschilderte Radwege und faszinierende Städte mit reicher Tradition. Das Essen ist hervorragend, so dass wir unserem Campingkocher gerne öfter Mal eine Pause gönnen. Die Campingplätze sind ausgesprochen sauber und gepflegt. Die Preise sind vergleichsweise niedrig. Überall wird der Müll sorgfältig getrennt und die Leute sind sehr gastfreundlich. Wir haben den Eindruck, dass sich das ganze Land im Aufschwung befindet. Fazit: Polen bringt´s!

Ein Frühling ohne Ende…

Was wir jetzt schon sagen können: es ist der längste Frühling, den wir je erlebt haben. Ende Januar ging es über Südfrankreich nach Spanien: Mandelblüte in voller Pracht! Im März weiter nach Portugal: überall frisches Grün und farbenprächtige Pflanzen! Im April dann zu Hause. Im Garten beginnt alles zu sprießen: Kirschbäume, Tulpen, Märzenbecher. Im Mai dann Richtung Norden. Hier fängt der Frühling gerade erst an: überall gelbe Rapsfelder, vielfarbige Fliederbüsche und die weißen Blüten der Obstbäume. Herrlich!

Mit dem Rad auf die Halbinsel »Hela«

Von unserem Stellplatz in »Władysławowo«, direkt an der Ostseeküste, führt ein gut beschilderter Radweg auf die pommersche Halbinsel »Hela« (polnisch: Hel). Genauer gesagt ist es eine 34km lange, sehr schmale Landzunge, die sich in die Ostsee schiebt. Wir genießen an einem sonnigen Tag die Radtour, die keine nennenswerten Höhenmeter aufweist. Dafür gibt es bei der Rückfahrt strammen Gegenwind, der nicht zu unterschätzen ist. Auf der Strecke bleiben wir mehrmals stehen und sehen uns die Kunststücke der Kite-Surfer an. Hier ist ein Mekka für diese Sportler. Die Bedingungen scheinen ideal zu sein und so legen sie richtig los. Phantastisch! Wir fahren auch an einem langen, ehemaligen Militärgelände vorbei. Es wirkt eher bedrohlich und ist heute als Museum zu besichtigen. Darauf verzichten wir gerne. Im namensgebenden Zielort »Hel« essen wir dafür eine typische Fischplatte mit Lachs, Hering, Flunder und Dorsch. Mhm! Natürlich besuchen wir auch das sogenannte »Fokarium«. Es ist ein Wasserpark mit mehreren Becken, in dem man Seehunde bestaunen kann. Die Betreiber setzen sich für den Arterhalt der Tiere ein. Wir kommen gerade pünktlich zur Fütterung und bewundern die geschmeidig-wendigen Tiere, die im Wasser mit Bällen und kleinen Reifen herumtollen. Zwischendurch gibt es immer wieder mal einen kleinen Fisch, der ihnen manchmal von den Möwen weggeschnappt wird.

»Danzig« (Gdansk)

Danzig wird nicht umsonst die »Königin der Ostsee« genannt. Touristen aus aller Welt sind begeistert von ihrer jahrhundertealten, schönen Architektur und der Lage am Fluss »Mottlau« (Mottlawa). Die Stadt wurde im zweiten Weltkrieg stark zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Straßenzüge und Bauten wurden teilweise minutiös rekonstruiert. Das städtische Erscheinungsbild mit den vielen ziegelroten Backsteingebäuden und der belebten Uferpromenade wirkt sehr hanseatisch und erinnert uns unweigerlich an Hamburg. Wir schlendern über das Herzstück, die »lange Gasse« und bewundern die für die Stadt typischen herrschaftlichen Häuserreihen. Alles ist fein herausgeputzt und strahlt in neuem Glanz. Danzig ist überdies bekannt für die Bernsteinverarbeitung. Überall findet man exquisite Läden, die den honigfarbenen Schmuck in allen denkbaren Varianten anbieten. Auch die Katharinen-, die Marien- und die Brigittenkirche mit ihrer wechselvollen Geschichte sind einen Besuch wert. Es ist Sonntag und uns fällt auf, dass in den vielen Kirchen mehrmals täglich von morgens bis abends Gottesdienste gefeiert werden. In jeder Kirche Polens findet man zudem ein Bildnis oder eine Statue von Papst Johannes Paul II, der von den Gläubigen wie ein Heiliger verehrt wird.

»Marienburg« (Malborg)

Unsere Fahrt von Danzig Richtung Marienburg (Malborg) führt uns über das kleine Örtchen »Lichnowy«. Dort machen wir kurz für ein Foto Halt, denn es ist tatsächlich der Partnerort von Kirchanschöring, wie wir von Freunden erfahren haben. Kurz darauf erreichen wir Marienburg (Malbork). Wir verbringen zwei Tage am angrenzenden Campingplatz. Ein herrlich ruhiger Ort. Nachdem ein großer Weiher auf dem Gelände ist, fragen wir, ob man hier auch angeln kann. Der Platzwart meint, das wäre kein Problem. Lizenz braucht man auch keine. Gesagt getan! Zwei Maiskörner an den Haken und los geht´s. Kurze Zeit später werden die Bemühungen belohnt. Petri Heil!

Das Wetter ist ein wenig wechselhaft und so kommt uns ein Besuch der »Marienburg« sehr gelegen. Diese bereits im 13. Jahrhundert erbaute Burg des Deutschen Ordens ist mit über 20 Hektar Nutzfläche die größte Burg der Welt und der größte Backsteinbau Europas. Dass diese gewaltige Anlage sehr weitläufig ist, merken wir schnell, denn die interessante und wirklich gut gemachte Führung mit Audio-Guide dauert knapp drei Stunden. Wir erfahren von den Hochmeistern des Deutschen Ordens, wechselnden Machtverhältnissen und dem mittelalterlichen Alltagsleben. Zudem beherbergt das UNESCO Weltkulturerbe auch mehrere Ausstellungen. Sehr sehenswert!

Die masurische Seenplatte

Nach weiteren zwei Stunden Fahrt erreichen wir die masurische Seenplatte in der »Woidwodschaft Ermland Masuren«. Es ist eine einzigartige Landschaft mit mehr als 3000 größeren und ungezählten kleineren Seen. Große Teile sind Naturschutzgebiete mit einer reichen Flora und Fauna. Hier werden wir die nächsten Tage wandern und Rad fahren. Mehr davon dann im nächsten Blog…

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