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Schlesien – Großpolen - Pommern

»Breslau« (Wrocław) in Niederschlesien

Nach einem zweitägigen, beschaulichen Landaufenthalt steht wieder eine Stadtbesichtigung auf dem Programm: »Breslau« (polnisch Wrocław). In der ehemaligen europäischen Kulturhauptstadt gibt es einen schönen Campingplatz auf dem Olympiagelände, wo wir unser Fahrzeug im Grünen aufstellen. Außer uns sind nur eine Hand voll Campinggäste da. Mit dem Fahrrad machen wir uns auf den Weg Richtung Altstadt. Zunächst durchqueren wir einen riesigen Park, der dem Englischen Garten in München ähnelt. Der Fluss »Oder« (Odra) schickt seine Wasser in zahlreichen Nebenarmen und Kanälen durch die Stadt und so finden wir problemlos ins historische Zentrum. Die vielen Wasserstraßen werden von mehr als 120 Brücken überspannt, was Breslau auch den Spitznamen »Polnisches Venedig« einbrachte. Überall treffen wir auf junge Leute, die gemütlich an den Ufern zusammensitzen oder sich ein Getränk in einer der vielen Bars gönnen. Wir besuchen die »Dominsel«, werfen einen Blick in die Markthalle und umrunden den Ringplatz mit seinen altehrwürdigen Gebäuden. Wer sich eine Weile in Breslau aufhält, trifft unweigerlich auf die Touristenattraktion der Stadt: die »Breslauer Zwerge«. Die ersten Zwerge wurden bereits in den 1980er Jahren von der Oppositionsbewegung »Orange Alternative« als Symbolfiguren der Kritik am kommunistischen Regime in Polen aufgestellt. Inzwischen gibt es über die Stadt verteilt mehr als 600 dieser kleinen bärtigen Märchenwesen. Sie sind aus Metall, ungefähr 30cm groß und ein echter Blickfang. Herrlich! Als wir abends zum Auto zurückkommen, bekommen wir sogar eine Fuchsfamilie zu sehen. Die Fuchsmama und ihre beiden Jungen sind scheinbar an Menschen gewöhnt und lassen sich gerne aus der Nähe beim Herumtollen beobachten. Ganz ohne extra Gebühren…

»Posen« (Poznań) in Großpolen

Auf unserem ersten Reiseabschnitt haben wir im Herbst 2021 am Donaudelta ein polnisches Ehepaar kennengelernt. Ania und Arek. Wir tauschten unsere Mailadressen aus und verwiesen bereits auf unseren Plan, im kommenden Frühjahr nach Polen zu reisen. Als es nun soweit war, haben wir wieder Kontakt aufgenommen und tatsächlich kommt ein spontanes Treffen zu Stande. Die beiden empfangen uns sehr herzlich, umsorgen uns ein Wochenende lang liebevoll und zeigen uns ihre Heimatstadt Posen (Poznan). Zwei Tage lang erkunden wir die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt an der »Warta« (Warthe) mit dem Fahrrad. Dabei legen wir insgesamt stramme 80km zurück. Posen ist die Messestadt Polens mit vielen Großevents und ein Zentrum von Wissenschaft, Forschung und Kultur. Unser erstes Ziel ist der mittelalterliche Marktplatz »Stary Rynek« im Herzen der Stadt. Hier steht das im 16. Jahrhundert erbaute Rathaus (Ratusz), eines der schönsten Renaissancegebäude Europas. Wir kommen genau passend, denn um Schlag 12:00Uhr mittags kann man auf dem Turm des Gebäudes zwei kämpfende Ziegen sehen. Für dieses Schauspiel haben sich bereits hunderte von Schaulustigen versammelt. Die Brunnenfigur »Bamberka« erinnert an die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. Damals lockte der Posener Rat Handwerker aus Bamberg in die Stadt. Sie galten als besonders tüchtig. Das erklärt vielleicht, warum es in Posen bis heute viele Wörter mit deutschem Ursprung gibt. Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, alles aufzulisten, was wir in den beiden Tagen alles erleben. Deshalb nur eine kurze Auflistung: wir erwerben ein Zertifikat als Bäcker von St. Martins Croissants, erleben eine multimedia-Präsentation über die bewegte Geschichte der Stadt, genießen ein Orgelkonzert, erkunden Teile der alten Festungsanlagen, besichtigen den Dom, streifen über herrliche Parkanlagen und Seen am Stadtrand und besuchen ein phantastisches Restaurant mit polnischen Spezialitäten. Ein besonders einprägsames Erlebnis ist der Besuch der Dienstwohnung von Areks Familie. Die beiden zeigen uns alte Fotos und erzählen auch davon, wie das Leben hier während der kommunistischen Ära im Kalten Krieg und danach war. Sehr beeindruckend. Abends sitzen wir gemütlich zusammen, grillen und tauschen uns über Gott und die Welt aus. Es ist, als würden wir uns schon lange kennen. Vielen Dank Ania und Arek!

»Łeba« an der Ostseeküste in Pommern

Eigentlich wollten wir irgendwo zwischen Posen und der Ostseeküste einen Zwischenstopp einlegen, doch daraus wird nichts. Wir fahren auf der Strecke mehrere Campingplätze an, aber sie sind entweder noch geschlossen oder es ist niemand vor Ort. Tja. So wird es doch eine längere Strecke, bis wir abends schließlich »Łeba« an der polnischen Ostseeküste erreichen. Das einstige Fischerdorf ist Polens nördlichster Seehafen, ein Zentrum der Küstenfischerei und inzwischen eines der beliebtesten pommerschen Ostseebäder. Wir haben Glück, denn der ausgewählte Campingplatz ist phantastisch. Ruhig. Sehr sauber und gepflegt. W-LAN. Waschmaschine. Was braucht man mehr? Auf dem grünen Rasen tummeln sich freche Spatzen, Singvögel, Tauben und Seemöwen. Am Abend marschieren wir gleich mal durch den Ort und an den Strand. Da werden Erinnerungen wach, denn wir waren vor einigen Jahren bereits auf der Halbinsel Usedom. Hier ist es genauso schön, doch zu dieser Jahreszeit herrscht weit weniger Trubel und alles ist deutlich günstiger. Man kann sich allerdings gut vorstellen, was hier in der Hauptsaison los ist. Es reiht sich ein Souvenirladen an den nächsten, Geschäfte aller Art, verschiedenste Attraktionen für Kinder, Stände mit geräuchertem Fisch, Ausflugsboote und vieles mehr. Am nächsten Tag steht eine ca. 20km weite Fahrradtour zum »Słowiński Nationalpark« auf dem Programm. Es wird ein herrlich sonniger Tag. Wir durchqueren lichtdurchflutete Wälder und beobachten grasende Hirsche. Links von uns erstreckt sich ein riesiger See. Schließlich erreichen wir die berühmten Wanderdünen von Łeba, die auch »Polnische Sahara« genannt werden. Die kilometerweite Dünenlandschaft ist atemberaubend schön. Wir stapfen barfuß durch den pulverigen, weißen Sand. Über uns der stahlblaue Himmel. Weite und Stille. Der Anblick lässt sich mit dem Handy gar nicht richtig festhalten. Für alle, die mal in die Gegend kommen: unbedingt selber erkunden!

Polnisch für Anfänger…

Polnisch ist eigentlich ganz einfach. Hier ein kleines Rätsel: wer alle Überschriften auf den Fotos entziffern kann, der bekommt von uns ein Stamperl polnischen Vodka. Ehrenwort! Der Google-Übersetzer ist allerdings untersagt und auch ein ähnlicher Unterschleif ist im katholischen Polen natürlich verboten. Na dann – los geht´s…

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Kommentare: 1
  • #1

    Sieglinde (Donnerstag, 26 Mai 2022 19:40)

    So schööön wieder mit euch zu reisen. Und eine Freude, mit welch schönen Worten ihr eure Erlebnisse beschreibt. Und wenn ihr wieder in Kay seids, dann komme ich auf euer Privat Grundstück u bei ein bisserl Schwarzwälder Schinken höre ich gerne weitere Geschichten. Und dafür gehe ich extra zum Friseur. Liebe Grüße