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Im Norden Griechenlands

Nach fünf Reisewochen steht der nächste Grenzübertritt an: Griechenland! Darauf haben wir uns besonders gefreut. Wir erledigen online unsere Einreise-Registrierung und hoffen, dass es an der Grenze keine Schwierigkeiten gibt. Und tatsächlich – ein kurzer Stopp, ein Blick in unsere Dokumente und der freundliche griechische Grenzbeamte winkt uns durch. »Hellas« wir kommen! Und zum sonnigen Land der antiken Philosophen gibt es gleich noch gratis ein eigenes Alphabet dazu. Gerade eben haben wir uns an das kyrillische Alphabet in Bulgarien ein wenig gewöhnt – aber was soll´s – man wächst mit seinen Aufgaben. Als erstes lesen wir das griechische Wort für »Ausfahrt« an der Autobahn und müssen unweigerlich schmunzeln: έξοδος = EXODOS.Das löst bei uns sofort biblische Assoziationen aus.

Der »Berg Athos«

Wir fahren gemütlich durch bergiges Land und erreichen die griechische Halbinsel »Chakidiki« in der Verwaltungsregion Zentralmakedonien südöstlich der Stadt Thessaloniki. Sie ragt dort in drei fingerartigen Landzungen mit den schönen Namen »Kassandra, Sithonia und Athos« ins Ägäische Meer hinein. Unser erster Stopp ist auf dem östlichen Finger »Athos« ganz in der Nähe des gleichnamigen Heiligen Berges. Auf dem Campingplatz in »Ouranopoli« (Himmelsstadt) ist es bereits recht ruhig, denn die Hauptsaison ist vorbei. Allerdings treffen wir gleich beim Reinfahren Landsleute aus Teisendorf und Waging sowie einige österreichische Griechenlandliebhaber. Wir genießen die Sonne und einen herrlichen Strand. Am kommenden Tag machen wir die obligatorische dreistündige Bootstour entlang des »Berges Athos«. Es ist eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem  Status in Griechenland. Aktuell leben dort noch etwas als 2200 Mönche verteilt auf 20 Klöster.

Nachdem auf dem Heiligen Berg für Frauen der Zutritt verboten ist, können wir die geschichtsträchtigen Klöster, deren Gründungen bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen, nur aus der Ferne betrachten. Es ist für uns beeindruckend und gleichzeitig wirkt das Ganze irgendwie aus der Zeit gefallen.

»Aphitos auf Kassandra«

Es geht über Berge und Olivenhaine weiter zum westlichen Finger der Halbinsel Chalkidiki: »Kassandra«. Es ist ein beliebtes Badegebiet und so landen wir auf einem großen, bestens organisierten Campingplatz. Wir stellen uns direkt zum Meer. Die Rezeptionistin spricht fließend deutsch und so erfahren wir ein wenig über die Umgebung. Das sehenswerte, alte Städtchen »Aphitos« ist etwa 20km entfernt und mit dem Rad erreichbar. Wir machen uns also mit den Drahteseln auf den Weg und mit ein paar Umwegen erreichen wir unser Ziel. Der platte Vorderreifen ist kaum der Rede wert und schnell wieder geflickt. Bei der letzten abenteuerlichen Radtour in Bulgarien hatte ich (Martin) tatsächlich drei platte Reifen und wir mussten die Räder kilometerlang am Bahndamm entlang schieben.

»Thessaloniki«

Wir brauchen einige Campingartikel und finden tatsächlich ein Fachgeschäft in der Nähe von »Thessaloniki«, der zweitgrößten Stadt Griechenlands. Bei genauerer Recherche stellen wir fest, dass man auf dem Firmengelände sogar kostenlos übernachten und mit dem Bus gut in die Innenstadt gelangen kann. Diese Gelegenheit nutzen wir prompt für einen Stadtbesuch. Thessaloniki lässt uns unweigerlich wieder an das Neue Testament denken. Der Apostel Paulus hatte ja bekanntlich mit der dortigen frühchristlichen Gemeinde regen Briefkontakt. Wir fahren also zwölf Kilometer mit dem Linienbus durch Vororte und wenig einladende Wohnsiedlungen. Nachdem für uns alles gleich aussieht, fragen wir eine junge Griechin, wo wir denn im Zentrum am besten aussteigen sollen. Dort angekommen stellen wir fest, dass auf den ersten Blick kaum noch alte Gebäude zu finden sind. Hier und da sehen wir Ruinen aus römischer oder byzantinischer Zeit und einige orthodoxe Kirchen. Wir entschließen uns für eine Rundfahrt mit dem Sightseeing-Bus und da erfahren wir einiges über die bewegte Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten.Als es dämmert, zeigt die Metropole auf einmal noch ein ganz anderes, lebendiges Gesicht. Überall öffnen kleine Läden, Restaurants und Bars. Wir durchqueren einen großen Bazar und kehren im Hafenviertel in einer Taverne ein. Die Leute sitzen gesellig beisammen und genießen den Abend. Angeblich wurde dort der Cafe´ frappe´ erfunden.

»Königsgräber in Vergina«

Nach einer ungewöhnlichen Nacht auf dem Firmengelände zwischen Flughafen und Stadtautobahn, eingezwängt zwischen einem kaputten Wohnwagen und einem Wohnmobil aus Kehlheim, fahren wir weiter nach »Vergina«. Das dortige Museum besticht durch seine einzigartige Atmosphäre. In einem scheinbaren Hügel verbergen sich über 2300 Jahre alte Königsgräber, die erst in den 1970er Jahren von einem griechischen Archäologen entdeckt wurden. Dort werden u.a. die sterblichen Überreste und sehr wertvolle Grabbeigaben von Philipp II, dem Vater von Alexander dem Großen in kunstvollem Licht präsentiert. Wir staunen über die Kunstfertigkeit der antiken Meister und die Schönheit der Artefakte aus Bronze, Silber, Gold und Elfenbein.

»Meteora Klöster«

μετέωρος (metéōros) bedeutet »in der Luft schwebend«. Die »Meteora-Klöster« in Thessalien, deren Gründungen bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, sind nicht umsonst UNESCO Weltkulturerbe. Auf bizarren Felsen wohnen die Mönche und Nonnen dem Himmel ganz nah. Wir entschließen uns, einige Klöster auf dem Fußweg zu erreichen und finden tatsächlich schmale Wege durch die felsige Landschaft. Als wir nach einer ruhigen Wanderung oben beim »Großen Meteora Kloster« ankommen, treffen wir auf Besucher aller Herren Länder. Auf der gegenüberliegenden Seite führt eine Straße hinauf und die Touristen kommen dort mit ihren PKWs oder Reisebussen an. Frauen, die keinen Rock tragen, bekommen an der Pforte noch ein Tuch zum Umwickeln. Die alten Handschriften, liturgischen Gegenstände und Ikonen sind sehr beeindruckend. Insgesamt dauert unsere Wanderung fast fünf Stunden und führt uns teilweise über sehr unwegsames Gelände wieder zurück. Es ist atemberaubend schön!

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara Hartl (Sonntag, 03 Oktober 2021 09:47)

    Guten Morgen Claudia und Martin,

    wie immer tolle Bilder.
    Wahrscheinlich geht eure Reise weiter in Richtung Epirus. Was man unbedingt gesehen haben muss, ist der Zalongo Berg und das Kloster, eine Flusswanderung im Acheron bei Parga ( kilometer weit durch klares, frisches Wasser , teilweise ist schwimmen notwendig), Nekromanteion der Eingang in die Unterwelt und zum Schluss in Kanali ein phantastisches Essen bei Elena und Theo genießen. Hervorragende griechische Küche. (Apartements Elena, Restaurant Pizza - Grill Stratos, ( unterhalb der Straße Igoumenitsa - Preveza).
    Vielleicht könnt ihr mit den Tipps etwas anfangen.
    Weiterhin gute Reise
    LG
    Barbar