· 

Bulgarien: Strand, Berge und Kultur

Der Sonnenstrand - »Sunny Beach«

Wir verbringen über eine Woche an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Unser letzter Badeurlaub von zu Hause aus ans Mittelmeer ist bereits einige Jahre her. Im Vorfeld haben wir immer mal wieder gehört, dass es dort nicht besonders schön sein soll, was wir überhaupt nicht bestätigen können. Das Wasser ist glasklar und der Sand sehr sauber. Natürlich tummeln sich an den Stränden auch Badeurlauber, aber wir sind bereits in der Nachsaison und so ist es (meist) recht ruhig. Wie bereits im letzten Blog beschrieben, entspannen wir einige Tage in »Vaya-Beach«, dann geht es weiter südlich zum gut bewerteten Campingplatz »Atliman« in Kiten. Wir stellen uns zwischen einige Dauercamper, die offensichtlich nicht anwesend sind und freuen uns über einen ruhigen Aufenthalt. Wir liegen noch ein wenig am Strand und finden später eine bezaubernde Bar mit karibischem Flair. Als wir zurück sind hält die Idylle allerdings nicht lange. Ab ca. 21:30Uhr geht direkt neben uns voll die Post ab. Es ist Freitagabend und es hat sich eine große Gruppe junger Leute zum Feiern eingefunden. Wir freuen uns eigentlich über jeden kulturellen Beitrag und die Musik hat ja etwas Verbindendes. Nicht in diesem Fall. Die Party-People hören durchgehend »Balkan Schlager«, die für unsere auf Dur/Moll getrimmten Ohren sehr befremdlich klingen und sich irgendwie alle gleich anhören. Es nimmt kein Ende. Am nächsten Morgen berichten dutzende von leeren Schnapsflaschen noch von der berauschenden Nacht. Bis wir weiterfahren ist allerdings keine Menschenseele zu sehen – die liegen alle noch verkatert in ihren Behausungen.

Die historischen Küstenstädte »Nesebar & Sozopol«

Die bezaubernde Küstenstadt »Nesebar«, eine der ältesten europäischen Siedlungen, ist UNESCO Weltkulturerbe. Sie liegt auf einer Halbinsel und ist über einen 400m langen Damm vom Festland aus gut zu Fuß erreichbar. Beim Spazieren durch die Stadt kann man die kulturelle und religiöse Bedeutung Nesebars durch die Jahrhunderte deutlich spüren. Enge, gepflasterte Gassen, überall Ruinen der mehr als 40 Kirchen, die sich einst dort befunden haben und gut erhaltene, so genannte »Wiedergeburtshäuser«. Wer ein Souvenir kaufen möchte - egal ob Kunst oder Kitsch - wird sicherlich auch nicht enttäuscht werden.

Eine ähnlich romantische Atmosphäre findet man auch in der denkmalgeschützten Stadt »Sozopol«. Sie ist auf einer felsigen Halbinsel gelegen und auch hier findet man gut erhaltene Schwarzmeerküstenhäuser, sowie gepflegte Gärten mit Zypressen und Feigenbäumen. Alljährlich findet hier das »Kunstfestival Appolonia« statt und zieht alles an, was in der bulgarischen, zeitgenössischen Kunst Rang und Namen hat. Leider kommen wir zwei Wochen zu spät.

»Blue Rocks«

Jetzt geht es wieder ins Landesinnere. Wir finden ein weitläufiges Campinggelände »Oazis« in der Nähe der Stadt »Sliven«. Dimitri heißt der junge, freundliche Campingplatz Betreiber und wir bewundern seinen Unternehmergeist. Er ist gerade mal 25 Jahre alt, hat das riesige Gelände vor einem Jahr gekauft und ist nun dabei, aus dem Areal einen Freizeitpark mit Campingangebot, Reitsport, Angelteichen und Restaurantbetrieb aufzubauen. Hut ab! Von ihm erfahren wir einiges über die Gegend und bekommen genaue Infos, wo wir in der Gegend wandern können. Das ist sehr wertvoll, denn in der vergangenen Zeit hatten wir oft vergeblich nach gut beschilderten Wander- oder Radwegen gesucht. Hier klappt alles reibungslos. Wir finden den beschriebenen Pfad auf Anhieb und machen eine fünfstündige Bergtour zu den sogenannten »Blue Rocks«. Die Wanderung zu den einzigartigen Felsformationen tut uns nach vier Wochen ohne nennenswerte körperliche Anstrengung richtig gut. Abends zünden wir uns ein Lagerfeuer an und genießen die Ruhe. Dimitri stößt mit selbstgemachtem Raki mit uns an und versichert uns: „…falls ihr irgendwo in Bulgarien Probleme habt - ruft mich an - ich helfe euch - You have a friend in Bulgaria!“

Kulturhauptstadt »Plovdiv«

Ein Besuch der Stadt »Plovdiv«, die zweitgrößte Stadt Bulgariens, wurde uns von mehreren Seiten empfohlen. Dank ihrer 8000-jährigen Geschichte ist die Kulturhauptstadt von 2019 zur ältesten lebenden Stadt Europas erklärt worden und gehört zu den Top Ten der schönsten antiken Städte der Welt. Die Altstadt bewahrt historische Schichten aus der prähistorischen, thrakischen, römischen, byzantinischen, osmanischen und der Renaissancezeit und sei damit ein »Zeuge der Entwicklung von Zivilisationen und Kulturen«.

Wir fahren also mit dem Bus vom Stadtrand ins Zentrum und können von all dem beschriebenen Glanz zunächst gar nichts sehen. Im Gegenteil – auf den ersten Blick ist es keine besonders schöne oder einladende Stadt. Es dämmert bereits, als wir schließlich das Zentrum erreichen. Zu unserer Überraschung werden wir ganz unvermittelt von einem pulsierenden, lebensfrohen, unkonventionellen »Kreativ-Viertel« voller Bars, Restaurants und Kneipen begrüßt. Überall junge Leute und eine absolut entspannte Atmosphäre.

Am nächsten Tag nehmen wir uns Zeit für die historische Altstadt und können nur bestätigen, was wir im Reiseführer lesen. Ein »Schatz unter freiem Himmel, den es neu zu entdecken gilt«.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Kletzlfranz (Donnerstag, 23 September 2021 14:24)

    Liebe Claudia und Martin,
    ich verfolge eure Reise anhand der tollen Beschreibung im Blog. Macht weiter, habt eine gute und schöne Zeit und lasst uns weiterhin an euren Erlebnissen teilhaben. Vielen Dank und alles Gute für euch.
    Die Heimat grüßt!